Privatinsolvenz in Irland - Internationale Rechts- und Steuerberatung

Privatinsolvenz in Irland

Angesichts gewisser Unsicherheiten im Hinblick auf den Brexit und der Frage, inwieweit in England künftig noch Privatinsolvenzen durch Bürger der europäischen Union eingeleitet werden können bzw. eine Anerkennung der Restschuldbefreiung auf die bisher einfache Weise über die EU-Insolvenzordnung erfolgen kann, bietet sich als Alternative hierzu das irische Privatinsolvenzverfahren an. Das irische Insolvenzrecht wurde an den englischen Insolvency Act angeglichen. Das bedeutet, dass jeder EU-Bürger sich in der Republik Irland innerhalb 1 Jahres leicht und einfach entschulden kann.

Voraussetzung für die Zulassung als EU-Bürger zur Privatinsolvenz in Irland ist wie bereits bei der englischen Variante, dass der COMI (Schwerpunkt der wirtschaftlichen Interessen) sich in der Republik Irland befindet. Das heißt, wer die irische Privatinsolvenz absolvieren will muss für ca. ½ Jahr dort seinen Lebensmittelpunkt nachweisen. Den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Interessen weisen Sie unter anderem anhand von Einkünften nach. Wie in England dienen hierzu die sogenannten Payslips als Einkommensnachweise. Auch als Selbstständiger können Sie in Irland ein Insolvenzverfahren einleiten.

Wie im englischen Insolvenzverfahren ist auch im irischen Insolvenzverfahren ein sogenanntes Insolvenzantragsformular auszufüllen. Dies wird an das irische Insolvenzgericht geleitet. Nach Ihrer Bankrotterklärung per Gerichtsbeschluss übernimmt ein Beamter der irischen Insolvenzbehörde (Official Assignee = OA) Ihren Fall. Diese Funktion ist vergleichbar mit dem Offical Receiver im englischen Insolvenzverfahren. Seine Funktion ist im Wesentlichen die Tätigkeit eines Treuhänders im Auftrage des Gerichts.

Die Zulassungsvoraussetzungen im Engeren für die Privatinsolvenz in Irland sind Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung:

  • Ihr COMI liegt in Irland:
  • Sie haben zuvor eine außergerichtliche Schuldenbereinigung versucht.
  • Ihre Schulden sind 20.000,00 € höher als Ihr Vermögen.
  • Bei Gericht ist eine Gerichtsgebühr in Höhe von ca. 200,00 € einzuzahlen.

Rechtsfolgen:

Die irische Restschuldbefreiung erfasst alle Schulden , auch gerichtlich verhängte Geldstrafen.

Folgende weitere Voraussetzungen:

  • Persönliche Anwesenheit bei Gericht am Tage der Bankrotterklärung:
  • Erteilung aller Auskünfte an den Official Assignee, gegebenenfalls ein persönliches Interview:
  • Anzeige jedes Wechsels der Wohnanschrift
  • Kontoauszüge, Mietverträge und alle sonstigen für das Insolvenzverfahren relevanten Unterlagen sind an den OA zu übergeben.
  • Wie im englischen Insolvenzrecht dürfen Sie nicht Director bei einer irischen Ltd. sein

Abführung des pfändbaren Einkommens für 3 Jahre. Dieses Einkommen wird individuell nach Ihren monatlichen Ausgaben berechnet. Ergibt sich wie im englischen Verfahren ein Überschuss an freiem Einkommen, ist ein sogenanntes Income Payment Agreement abzuschließen. Hierunter versteht man eine feste monatliche Rate, welche regelmäßig den Überschuss der Einnahmen zu den Ausgaben darstellt. Die Restschuldbefreiung (Discharges) tritt automatisch spätestens 1 Jahr nach der Bankrotterklärung ein.

Hat der Schuldner sich nicht wohl verhalten nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens kann sich der Discharge verzögern. Die irische Restschuldbefreiung (Discharge) ist durch deutsche Gerichte und Gläubiger anzuerkennen.

Wir sehen hier angesichts der kurzen Restschuldbefreiungsphase einen wesentlichen Vorteil zu allen anderen europäischen Insolvenzverfahren. Falls Sie Fragen haben wenden Sie sich an unsere Berater.